Einmal drehen bitte.

Resident
werden
Follow us!

Katharina Bremer: Zwei Startups, ein Baby und ein langer Atem

news

Gründerin Katharina Bremer zeigt, dass Kinderwunsch und Unternehmensgründung kein Widerspruch sein müssen. Zwischen Meetings und neuen Geschäftsmodellen beweist sie, dass Erfolg auch mit flexiblen Wegen und realistischen Erwartungen möglich ist. Ihre Geschichte macht Mut, eingefahrene Rollenbilder zu hinterfragen und eigene Rhythmen zu finden.

„Früher stand ich gezielter Frauenförderung eher skeptisch gegenüber. Muss man mein Geschlecht extra betonen oder kann man meine Leistung nicht einfach wertschätzen, unabhängig davon, ob ich eine Frau bin oder nicht?“

Gründerin Katharina Bremer ist nicht mit der Überzeugung groß geworden, dass Frauen besonders unterstützt werden müssen. Vielmehr ist sie mit dem Glauben aufgewachsen, dass man sich Dinge hart erarbeiten kann.

Doch mit den Jahren hat sich ihr Blick gewandelt. Heute weiß sie, es geht nicht um Sonderbehandlung, sondern um faire Ausgangsbedingungen. Sie gibt uns einen ehrlichen Einblick, was es bedeutet, Gründerin zu sein.

VOM SICHEREN JOB INS UNGEWISSE

Katharinas Gründungsgeschichte beginnt damit, dass sie ihren stabilen Job in einem großen Beratungsunternehmen kündigte, mit dem Wissen, dass sie etwas Eigenes gründen wollte.

Das war der Moment, in dem sich eine besondere Gelegenheit ergab: Alexander Bley hatte gerade mit zwei Co-Foundern Tim Doerks und Till Rickert, das Tech-Startup sewts gegründet – ein Deep-Tech-Unternehmen, das KI und Robotik einsetzt, um textile Prozesse zu automatisieren. Das Startup wurde Teil des gate und so lernten wir Katharina kennen.

„Ich war in der Übergangsphase. Bei ihnen fehlte jemand, der sich um die nicht-technischen Themen kümmert, wie Finanzen, HR und Kommunikation. Es war eine Win-win-Situation und ich hatte die perfekten Voraussetzungen managementseitig bei den Themen zu unterstützen.“

Möchtest Du monatlich Erfolgstipps, Geschichten und Inspirationen erhalten? Werde jetzt gate-Insider und abonnieren den Grow Your Startup-Newsletter.

MEETINGS, IN DENEN MAN SICH ERST BEWEISEN MUSS

Katharina kennt die Momente in Meetings, in denen sie neben Kollegen saß und kaum wahrgenommen wurde.

„Ich saß oft in Meetings, in denen mein Kollege von Beginn an volle Aufmerksamkeit bekam, während ich erstmal beweisen musste, dass ich dazugehöre. Am Ende war der Kunde meist begeistert von unserer Zusammenarbeit mit mir. Aber ich glaube, viele Frauen kennen dieses Gefühl: initial nicht ernst genommen zu werden.“

Diese Erfahrungen nimmt sie mit in den Gründungsalltag. Katharina ist überzeugt, dass Female Founders genauso wie die männlichen Kollegen überzeugen können. Aber sie müssen es öfter tun und es kostet mehr Kraft.

Denn Gründerinnen brauchen zusätzlichen Mut, Energie und oft einen längeren Atem, aber sie können diese Dynamiken mit Kompetenz und Selbstbewusstsein durchbrechen.

ZWEI FIRMEN, EIN BABY

Während Katharina bei sewts ihre Rolle gefunden hatte, kam bald die nächste Wendung: Parallel gründete sie ein weiteres Unternehmen. Und dann kam das Baby.

„Ich war schon mitten im Gründungsprozess, als ich schwanger wurde. Und mir war klar: Das wird jetzt nicht einfacher. Aber es ist möglich.“

Zwei Firmen, ein Baby, das klingt nach einer Herausforderung. Katharina lacht als wir sie darauf ansprechen. „Es wäre gelogen, wenn ich sage, dass es einfach ist. Aber es geht.“

Kinderwunsch und Startup müssen kein Entweder-oder sein. Vielmehr sind realistische Erwartungen und flexible Strukturen der Schlüssel.

NEUE RHYTHMEN STATT ALTER ROUTINEN FÜR VEREINBARKEIT

Wie genau das funktioniert? Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie geplant, alles 50/50 aufzuteilen. In der Realität war das schwieriger als gedacht.

„Mit einem ein Jahr alten Baby kannst du nicht alles fair aufteilen. Ich musste das erstmal akzeptieren und meine Erwartungen anpassen.“

Für Katharina ist Vereinbarkeit ein dynamischer Prozess, kein statischer Plan. Was ihr hilft, ist vor allem die Flexibilität als Gründerin und die Möglichkeit, sich ihre Arbeit selbst zu gestalten:

„In der Beratung hätte ich unser Baby nie mit ins Büro nehmen können, im Startup funktioniert das im Gegensatz dazu. Ich bin morgens nicht immer erreichbar, weil mein Sohn erst um 5 Uhr so richtig einschläft. Dafür arbeite ich dann später am Abend.“

Gründen mit Kind heißt für sie: alte Arbeitsmuster loslassen und neue Rhythmen finden.

„Früher habe ich immer früh angefangen, und bin als letzte gegangen. Heute ist das anders, da finden die ersten und letzten Calls des Tages von zu Hause statt. Urlaub ist aktuell auch eher Wunsch als Realität. Aber wir wissen, wofür wir uns entschieden haben.“

Es geht nicht darum, mehr zu arbeiten, sondern anders, mit flexiblen, selbst gestalteten Tagesstrukturen.

INTUITION ALS UNTERNEHMERISCHE SUPERKRAFT

Neben Struktur und Belastbarkeit ist eine andere Fähigkeit für sie besonders wichtig geworden. Für sie ist Intuition kein „Soft Skill“, sondern eine unternehmerische Stärke. „Ich glaube, dass Frauen ihrer Intuition oft mehr Raum geben und dass das eine Stärke ist, keine Schwäche. Wenn ich ein schlechtes Bauchgefühl habe, breche ich Dinge lieber früh ab. Das betrifft zum Beispiel auch Bewerbungsprozesse.“

Bei sewts hat sie den Prozess so umgestellt, dass sie als Erste mit Kandidat*innen spricht, noch vor dem technischen Team.

„Klar kommt dann manchmal: ‚Aber du kannst das Technische doch gar nicht beurteilen.‘ Muss ich auch nicht. Ich merke schnell, ob jemand ins Team passt und das ist oft wichtiger.“

SICHTBARKEIT STATT PERFEKTION

Trotz ihres beeindruckenden Werdegangs, fällt es ihr scher, öffentlich über ihren Weg zu sprechen.

„Ich kann problemlos vor Menschen reden, aber Social Media ist nicht mein Ding. Ich lese Artikel über mich oft tagelang nicht.“

Dennoch hat sie sich bewusst dafür entschieden, ihre Geschichte mit uns zu teilen.

Wir finden, Authentizität zählt mehr als Hochglanzbilder. Sichtbarkeit inspiriert andere Frauen, die sich sonst gar nicht erst trauen würden. Denn letztendlich zeigt Katharinas Geschichte, dass Gründen mit Kind ein Alltag mit Kompromissen, Flexibilität und Mut ist. Role Models wie sie sind entscheidend, um die Wahrnehmung zu verändern und Barrieren im Kopf abzubauen.

„Ich will nicht bewundert werden. Ich will zeigen, was möglich ist, auch wenn ich meine Geschichte nicht als Erfolgsstory bezeichnen würde. Was ich kann, kann jemand anderes auch.“