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gate-Geschäftsführer Christian Heckemann fordert mehr Büroflächen, Wohnraum und ein besseres Handynetz für den Garchinger Forschungscampus

07.05.2019 - Vergangenen Dienstag hielt gate-Geschäftsführer Christian Heckemann bei der 15. Garchinger Freinacht eine Rede zur Lage am Forschungscampus Garching. Die Süddeutsche Zeitung berichtet im Artikel von der Veranstaltung:

Nächstes Jahr im neuen Audimax

Von Gudrun Passarge, Garching

Der designierte TU-Präsident Thomas Hofmann kündigt bei der Freinacht der SPD an, dass er den Garchinger Campus zu einem internationalen Innovationsstandort ausbauen will. Investor Soini lädt die Veranstalter in den Galileo-Komplex ein, der im September eröffnet wird

Die Botschaft des Abends? Vielleicht, dass Garching ein Innovationsstandort von internationaler Güte werden könnte, wie es sich der designierte Präsident der Technischen Universität, Thomas Hofmann, vorstellt? Oder, dass man sich in Garching “sauwohl” fühlen kann, wie der Geschäftsführer des Gate, des Technologie- und Gründerzentrums am Campus, Christian Heckemann es formulierte. Vielleicht aber auch, dass sich beim Thema Klimawandel jeder selbst an der Nase packen muss, wie es der Student Max Hoffmann bei der “Freinacht” der SPD ausdrückte. Die Nachricht des Abends war auf jeden Fall ein Datum: Am 17. September soll Galileo, die “Neue Mitte” am Wissenschaftscampus, eröffnet werden.

Das Format der freien Rede am Vorabend des 1. Mai erwies sich bereits zum 15. Mal als informativ und unterhaltsam zugleich, was etwa 100 Gäste goutierten. SPD-Ortsvorsitzende Ulrike Haerendel merkte scherzhaft an, vielleicht werde diese Tradition “über die Existenz der SPD hinaus” weitergeführt. Der Partei war es gelungen, Menschen aus dem Garchinger Stadt- und Kulturleben und Vertreter des Wissenschaftscampus für den Abend zu gewinnen, die ihrerseits Freude an dem Format hatten, ihre Arbeit vorzustellen, wie etwa Jan Stepputtis vom Kreisjugendring, der die Jugendarbeit in Hochbrück beschrieb, und gleichzeitig Wünsche oder Kritik anzubringen. Norbert Kutta, scheidender Chef der Garchinger Musikschule, nutzte den Abend, um auf die überhitzten Räume unter dem Dach im Römerhof aufmerksam zu machen. An heißen Tagen würden dort Temperaturen über 40 Grad gemessen. Er forderte, etwas für das Raumklima zu tun und wünschte sich auch, dass das Kopfsteinpflaster im Durchgang entfernt wird, weil es laut ist und die Instrumente beim Transport über die holprigen Steine Schaden nähmen.

Die Vorsitzende des Vereins “Kunst-Kompass München Nord”, Ursula Busch, stellte das Ausstellungsprojekt im Bürgerpark vor, bei dem künstlerisch gestaltete Stühle, Koffer und Schirme gezeigt werden sollen. Doch auch sie hatte einen Kritikpunkt: Die Zuschüsse aus dem Kulturtopf müssten so ausbezahlt werden, dass es sich auch kleine Vereine leisten könnten, Projekte auf die Beine zu stellen. Sie hätten komplett in Vorleistung gehen sollen, daran wäre das Projekt fast gescheitert. Sie forderte die Stadt auf, eine Regelung zu finden, “dass es die Akteure nicht so schwer haben”.

Die Rolle Garchings als Universitätsstadt nahm den größten Raum an diesem Abend ein. Die SPD hatte zwei Studenten der TU eingeladen, die ein Plädoyer für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit hielten, bei dem alle angesprochen wurden. Max Hoffmann vom Asta-Umweltausschuss forderte ein Umdenken. “Es reicht nicht aus, Biofleisch zu kaufen”, sagte er. Der Energieverbrauch in Deutschland sei zu hoch ebenso wie der Ressourcenverbrauch. Er appellierte an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Greta Baden, ebenfalls vom Asta, ergänzte: “Es sollte allen klar sein, dass es nötig ist, unsere Komfortzone zu verlassen.” Sie forderte von der TU, ihre Verantwortung in Sachen Nachhaltigkeit wahrzunehmen und berichtete von Plänen, in Garching ein “Green Office” einzurichten, um dort das Thema zu institutionalisieren.

Der künftige TU-Präsident Thomas Hofmann hörte zu und suchte in der Pause gleich das Gespräch mit den Studenten. Er selbst sprach von der hervorragenden Startposition, die Garching international habe. Seine Wünsche für den Campus, auf dem 25 000 Menschen studieren und arbeiten: Flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten, mehr Studentenwohnungen, ein Punkt der ihm große Sorgen bereitet, und einen kreativen Geist, wie er an Eliteunis wie Stanford oder Harvard herrscht. Mehr Häuser wie Studitum, wo sich Studenten treffen können, zum Reden und Arbeiten, zum gegenseitigen Austausch. Hofmann wünschte sich, dass Garching eine Innovationsstadt wird, wenn möglich mit eigenem Wissenschaftspreis, die es schafft, auch solche Firmen wie Celonis zu halten. Die Softwarefirma habe mittlerweile einen Marktwert von einer Milliarde Euro. Das Silicon Valley sei auch deswegen so stark, weil sich die Firmen dort gegenseitig befruchteten, sagte Hofmann. Die Forderung, die U-Bahn endlich zu verlängern als Anbindung an den Flughafen, versteht sich da von selbst. Teilweise in dieselbe Richtung gingen die Wünsche von Christian Heckemann. Der Gate-Chef forderte kleinere Büroflächen, um Start-ups zu halten, ein besseres Handynetz – im Haus hätten sie einen Balken, außerhalb zwei – und mehr Wohnraum für die Menschen, die auf dem Campus arbeiten, um den Pendlerverkehr zu minimieren.

Wohnraum hatte Oliver Soini zwar nicht anzubieten, aber sonst findet sich in der neuen Mitte doch Einiges, um die Wünsche der Garchinger zu erfüllen. Das Haus soll zu mehr Lebensqualität auf dem Campus beitragen. Soini war extra aus Salzburg angereist, er ist einer der Investoren von Galileo. Er habe das Projekt “in kränkelndem Zustand” vor kurzem übernommen, berichtete er, und werde es nun zu Ende führen. Das war auch sein Hinweis an die Stadt: Bei so einem Projekt sollte sie darauf achten, dass es ein Investor von Anfang bis Ende begleitet.

Galileo bietet nicht nur Räume für die Universität, sondern auch für Firmen, ein Hotel, Gästeapartments und diverse Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Er äußerte wie Hofmann die Bitte, Apartments für Studenten zu schaffen. Er habe da Erfahrung und stelle sich ohne Hintergedanken für einen Expertenkreis zur Verfügung. Nach vielen Verzögerungen ist die Eröffnung von Galileo jetzt am 17. September angesetzt. Galileo werde ein Teil von Garching werden, hofft Soini. Er würdigte das kulturelle Leben der Stadt und bat: “Bezieht auch Galileo mit ein!”. Soini würde sich über Kulturveranstaltungen in seinem Haus freuen und sprach auch gleich eine Einladung an die SPD aus: Die 16. Freinacht könne im Audimax mit seinen 1300 Plätzen stattfinden. Ulrike Haerendel war erfreut. “Kein Problem”, sagt sie.

Quelle:
Süddeutsche Zeitung
Landkreis München, 01.05.2019
Ressort Forschung und Entwicklung

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